Unsere geliebte Freizeit

Wir wachen auf und stürmen zur Arbeit. Von dort aus geht es zum Supermarkt für unsere Haushaltseinkäufe. Wenn die Bahn fünf Minuten Verspätung hat oder ein Problem an der Kasse auftritt, reagieren wir genervt. Dank dem Smartphone schaffen wir es, jede Minute des Wartens mit Sinn zu füllen. Reicht der Raum, in dem wir uns befinden, nicht mehr aus, bewegen wir uns in digitalen Chatrooms. Falls keine Message darauf wartet beantwortet zu werden, scrollen wir uns den Finger wund im Newsfeed.

Dann endlich, nach einem langen Tag kommen wir zu Hause an. Raus aus der Straßenkleidung, rein in die Jogginghose. Plötzlich kommt die große Frage auf: Was jetzt? Womit verbringen wir unsere Zeit, wenn wir nicht gerade arbeiten und uns frei für etwas entscheiden können?

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Die Stiftung für Zukunftsfragen, eine Initiative von British American Tobacco, interviewt seit 30 Jahren regelmäßig 2000 Menschen in Deutschland, über deren Freizeitaktivitäten. Für den Freizeit-Monitor 2018 erhielten sie folgende Ergebnisse:

Der Spitzenreiter ist seit 1986 nach wie vor das Fernsehen. 95 Prozent der Befragten gaben 2018 an, mindestens einmal in der Woche in die Glotze zu schauen, gefolgt von den Medien Radio und Musik. Im 5-Jahres-Vergleich erhielten Smartphones (nicht  das Telefonieren), das Internet, Social Media und E-Mails den größten Zuwachs. Während wir auf digitaler Ebene innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde mit anderen Menschen kommunizieren können, wird der direkte zwischenmenschliche Kontakt, quasi der analoge Kontakt, weniger. Nur Erotik und Sex sowie die Zeit, die wir mit unserem Partner verbringen, haben es geschafft, leicht zu steigen. Zeitgleich fallen die Aktivitäten, mit Kindern zu spielen oder mit Enkeln und Großeltern Zeit zu verbringen, um ganze vier Prozent. Noch extremer ist es, sich mit Freunden zu Hause zu treffen um sieben und Einladungen zu geben oder eingeladen zu werden um fünf Prozent.

Spontan das zu machen, wozu man gerade Lust hat, ist eine der Wochenaktivitäten, die am stärksten im 5-Jahres-Vergleich gefallen sind. Und das ist auch genau das, was sich die meisten der Befragten 2018, und zwar 63 Prozent, wünschen. Die Freizeit wird zur Pflichtzeit, weil wir sie im Vergleich zu den vergangenen Jahren mit deutlich mehr Aktivitäten durchplanen. Müssen wir dagegen ankämpfen, unseren Terminkalender ständig zu füllen?

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